Bedeutung des Namens Zerstören, Zerreißen Bewegungen: 32
Saifa
Klassifizierung Shorei-Ryu
Stilrichtungen Goju-Ryu / Shito Ryu
Saifa ist eine harte Kata, und ihre Techniken üben das Zerbrechen des gegnerischen Angriffs bzw. das Zerstören oder Zerbrechen eines Griffs oder einer Umklammerung. Die Anwendung der Technik erfordert dabei in erster Linie den Willen und weniger die körperliche Stärke. Die eingesetzten Techniken sind auch mit wenig Körperkraft effektiv und schmerzhaft. Außerdem stellt Saifa hohe Anforderungen an das Gleichgewicht und an die Fähigkeit zur explosiven Kraftentfaltung. Seitliche Ausweichbewegungen und eine Technik bei der man regelrecht um den Gegner herumgeht und in dessen Rücken gelangt sind weitere spezifische Merkmale der Kata. Einige Techniken lassen vermuten, dass sie aus dem Stil des Kranichs stammt. Zudem zeigt sie, in Konzept und Aufbau, eine starke Verwandtschaft zur Kata Seienchin.
Einstufung Medium
Bedeutung des Namens Vier kämpfende Affen Bewegungen: 44
Shisochin
Klassifizierung Shorei-Ryu
Stilrichtungen Goju-Ryu / Shito Ryu
Der Name Shisochin wird auch als „Kämpfen in 4 Richtungen“ interpretiert. Dies ist auch philosophisch gemeint, da die Kata auch diagonale Richtungen kennt und es somit auch mehr als 4 sind. Shisochin entstammt dem Tigerstil und ist eine sehr kraftvolle und zugleich ruhige Kata. Sie kennt nur 2 Einzeltechniken, alle anderen Techniken werden bis zu viermal wiederholt, was eine Verwandtschaft zur Suparimpei und Sanseiru vermuten läßt. Shisochin soll eine sehr alte Kata sein. Ihr Training stellt weniger Anforderungen an Kondition und Schnelligkeit als an die Fähigkeit zur explosiven Kraftentfaltung. Sie enthält sehr direkte Angriffe, Befreiungstechniken gegen Angriffe von hinten und vielfältige Armhebel bis hin zum Brechen von Gelenken. Richtig betrieben drückt sie Selbstbewußtsein und eine Art von gelassener Überlegenheit aus. Dies gilt insbesondere für die im Shito-Ryu geübte Version. Speziell der Mittelteil der Kata wird je nach Schule (Goju-Ryu/Shito-Ryu) unterschiedlich ausgeführt und interpretiert. Es ist schwierig die Kata mit der richtigen Geschwindigkeit zu üben, da sie bei zu hohem Tempo schnell hektisch wirkt und ihren Charakter verliert. Seltsam, dass dies auch in umgekehrter Weise für die langsamen Bewegungen der Kata gilt.
Einstufung Medium
Bedeutung des Namens Ruhe vor dem Sturm Bewegungen: 54
Seienchin
Klassifizierung Shorei-Ryu
Stilrichtungen Goju-Ryu / Shito Ryu
Seienchin ist wohl die „beliebteste“ Kata des Naha-te. Sie ist eine überaus harmonische Kata deren Name mit Ruhe vor dem Sturm übersetzt wird und den Charakter der Kata treffend bezeichnet. Im ersten Teil der Kata in dem 6 Techniken 3 mal wiederholt werden, kommt eine einzigartige Ruhe und Würde zum Ausdruck. Unerwartet und plötzlich folgt dem ein wahrer Sturm aus starken Techniken mit wechselnder Geschwindigkeit. Aus diesem Grund gilt Seienchin als die typische Goju-Ryu Kata. In keiner anderen Kata kommt die beiden Aspekte hart und weich so deutlich zum Ausdruck. Auffallend ist, das die Kata keine Fußtechniken enthält. Es gibt unterschiedliche Meinungen, die die Kata mal dem Kranich-/ mal dem Tigerstil zuordnen. Betrachtet man die typischen Kata des Kranichstil wie Nipaipo, Rohai, Chinto oder gar Hakutsuru müßte man Seienchin allein vom Konzept her als eher untypische Kata dieses Stils einordnen. Vielleicht ist Seienchin tatsächlich von beiden Stilen beeinflußt? Das Konzept bzw. der Aufbau der Kata hat viel Ähnlichkeit mit dem der Kata Saifa.
Einstufung Medium
Bedeutung des Namens Sechsunddreißig Bewegungen: 50
Sanseiru
Klassifizierung Shorei-Ryu
Stilrichtungen Goju-Ryu / Shito Ryu
Die Namen der Kata Sanseiru, Seisun, Seipai und Suparimpei beziehen sich auf Zahlen, denen eine gewisse Mystik nachgesagt wird. So gilt die 13 (Seisun) im chinesischen als Glückszahl. Bei Sanseiru ist es etwas komplizierter. Grundlage für die Interpretation des Namens ist das Ergebnis der Multiplikation von 6 x 6 was ja 36 ergibt. Der ersten 6 werden nun die Attribute Augen, Ohren, Nase, Zunge, Körper und Geist zugewiesen. Die zweite 6 bezieht sich auf Farbe, Stimme, Geschmack, Geruch, Berührung und Gerechtigkeit. Teilt man 36 durch zwei erhält man 18 und dies ist die Bedeutung des Namens Seipai. Multipliziert man 36 mit 3 erhält man 108 und dies ist die Bedeutung von Suparimpei. Aus Zahlen kann man viel bedeutsames herauslesen, aus Knochen auch (behaupten manche Wahrsager), aber vielleicht sollte man, statt 36 mal über die Mystik des Namens einer Kata nachzudenken diese lieber 36 mal trainieren, zumal nicht sicher ist, dass die Namen der Kata heute noch authentisch sind. Viele Kata wurden umbenannt, oder die Namen wurden vom chinesischen ins okinawanische übersetzt, was sehr leicht zu Fehlinterpretationen führen kann. Sehr viel wichtiger und interessanter ist, das Sanseiru ein Grundkonzept aufweist das Ähnlichkeit hat mit den Kata Shisochin und Suparimpei. Es sind die einzigen Kata Okinawas in denen Techniken viermal wiederholt werden. Alle anderen Kata beinhalten zwei-/ drei-/ oder fünffache Wiederholungen. Und die technische Kombination die in Sanseiru viermal wiederholt wird enthält wiederum vier Techniken. In Suparimpei werden zweimal vier und einmal zwei Techniken viermal wiederholt. In Shisochin wird eine Technik viermal wiederholt. Dies läßt zumindest vermuten das alle drei Kata mit den gleichen konzeptionellen Ideen entwickelt wurden. Also wahrscheinlich aus der gleichen chinesischen Schule stammen. Allerdings wird Sanseiru dem Stil des Drachen zugeordnet und die Shisochin dem Stil des Tigers. Suparimpei könnte von beiden Stilen beeinflußt sein. Alle drei Kata beginnen mit Sanchin Dachi und Morote Yoko Uke (im Shotokan Uchi Uke genannt), Shisochin mit Kaishu (offene Hand). Sanseiru gilt als hochgradige Kata mit starken Angriffstechniken, insbesondere Kansetsu Geri zum Knie. Sie enthält viele Wurftechniken, diagonale Ausweichmanöver und insgesamt 7 Tritte.
Einstufung Medium
Bedeutung des Namens Dreizehn Bewegungen: 56
Seisun
Klassifizierung Shorei-Ryu
Stilrichtungen Goju-Ryu / Shito Ryu
Die 13 gilt im chinesischen als Glückszahl. Ob es ein glücklicher Umstand ist dem Gegner den Kehlkopf zu zerreißen, so wie es Seisun (alte Version) lehrt? Wahrscheinlich ist Seisun die älteste Kata des Naha-te. Im Shuri-te ist eine Seishan (Sesan) bekannt die zwar als Shuri-te Version der Seisun gilt, tatsächlich jedoch eine eingeständige Kata ist, die auch Vorlage der Hangetsu des Shotokan ist. Seisun ist eine hochgradige Kata. Von außen betrachtet erscheint sie mitunter leicht und wenig Ausdrucksstark. Wer die Kata jedoch ernsthaft trainiert, der lernt die ihr eigene Innere Dynamik kennen und schätzen. Zwar beginnt sie ebenfalls mit Morote Yoko Uke in Sanchin Dachi folgt dann aber einem von Sanseiru, Shisochin und Suparimpei unterschiedlichen Aufbau. Verschiedene Techniken von Seisun existieren auch in Seienchin, Suparimpei und Sanchin. Auch wird Kansetsu Geri, wie in Sanseiru, ausgeführt. Man könnte nun viel spekulieren ob Seisun tatsächlich eine ältere chinesische Kata ist, oder nicht doch eine neuere okinawanische Entwicklung. In jedem Fall bleibt der Schöpfer der Kata, wie in vielen Fällen, unbekannt. Dies ändert jedoch nichts an dem Wert der Kata. Und aufgrund der verwendeten Techniken vermute ich das sie dem Tigerstil angehört. In einigen Schulen wird der Angriff zum Kehlkopf jedoch versteckt bzw. unkenntlich gemacht.
Einstufung Advanced
Bedeutung des Namens Achtzehn Bewegungen: 47
Seipai
Klassifizierung Shorei-Ryu
Stilrichtungen Goju-Ryu / Shito Ryu
Ebenso wie die Zahl 36 bei Sanseiru wird auch die Zahl 18 mystisch betrachtet und beschrieben. In diesem Fall ergibt 3 x 6 = 18 und wie in Sanseiru werden der 6 wieder die Attribute Augen, Ohren, Nase, Zunge, Körper und Geist zugeordnet, während die drei für gut, böse und Frieden steht. Diese Interpretation ist, wie auch bei Sanseiru, Seisun, Suparimpei, nicht ohne Zweifel und wahrscheinlich neueren Datums. Charakter und Inhalt der Kata werden mit diesen Interpretation der Namen nicht zutreffend beschrieben. Seipai ist eine außergewöhnliche Kata mit sehr starken Selbstverteidigungstechniken, insbesondere gegen Haltegriffe. Seipai ist sehr vielseitig. Keine Technik wird mehr als zweimal wiederholt. Sie beginnt mit einer sehr schwierigen Kombination von Techniken, die richtig ausgeführt, ein hohes Maß an Würde, Kraft und Durchsetzungsfähigkeit ausdrücken. Der Wechsel zwischen ruhigen und dynamischen Techniken ist auffallend. Der ruhigen, fließend weichen Technik folgt, gleich einer Explosion, die schnelle, dynamisch Technik. Die Kata lehrt einen „wilden“, entschlossenen Kampfstil für den direkten Nahkampf und enthält sehr viele Wurf-/ und Hebeltechniken. Die Fußarbeit in Form von Tai-Sabaki und bei Wendungen stellt höchste Anforderungen an Koordination und Gleichgewicht. Seipai wird dem Kranichstil zugeordnet und sie ist insgesamt von hohem Niveau. Konzept, Aufbau und einige Techniken erinnern an die Kata Kururunfa.
Einstufung Advanced
Bedeutung des Namens Halten und Zerbrechen Bewegungen: 52
Kururunfa
Klassifizierung Shorei-Ryu
Stilrichtungen Goju-Ryu / Shito Ryu
Die Kata hat in vielen Bereichen Ähnlichkeit mit der Niseishi, einer Kata aus der, in Niigaki (einem Ort der zwischen Naha und Tomari lag) beheimateten, Aragaki-Schule. Kururunfa ist die einzige ursprüngliche Goju-Ryu Kata, die nicht nach vorne sondern zur Seite beginnt. In früheren Zeiten begann sie mit Kote-Uke und Otoshi Empi und wurde vorwiegend mit Hiraken geübt. Dies könnte bedeuten, das sie dem Stil des Leoparden entstammt. Dabei werden die, vorwiegend  kurzen,  Techniken blitzartig, gleich der zuckenden Pranke einer Katze ausgeführt. In den rhythmischen Änderungen der Geschwindigkeit (von langsam nach schnell) sieht man eine hohe Kunstfertigkeit und Explosivität. Die Ähnlichkeit mit Niseishi/Nijushiho bezieht sich nicht nur auf Aufbau und Diagramm (Enbusen) der Kata, sondern auch auf die verwendeten Techniken und insbesondere die technischen Kombinationen. Und dies gilt tatsächlich noch mehr für Nijushiho als für deren Ursprung Niseishi. Kururunfa gilt in Goju-Kreisen als die „Knochenbrecherkata“. Viele ihrer Techniken, einschließlich der Wurftechnik, beinhalten das Brechen von Knochen/Gelenken. Hier darf man sich von der „scheinbaren“ Harmlosigkeit einiger langsamen Bewegungen nicht täuschen lassen.
Einstufung Advanced
Bedeutung des Namens Einhundertacht Bewegungen: 108
Suparimpei
Klassifizierung Shorei-Ryu
Stilrichtungen Goju-Ryu / Shito Ryu
Ihr chinesischer Name ist Peichurin. Suparimpei ist die längste Kata des Naha-te. Vier schwierige technische Kombinationen werden je viermal wiederholt. Weiterhin enthält sie vielfältige Kombinationen mit Drehungen um bis zu 360 Grad und einen sehr schwierig auszuführenden Nidan-Geri. Die Eigenheit der vierfachen Wiederholung, die die Kata mit Sanseiru und Shisochin gemein hat läßt vermuten, dass diese drei Kata aus derselben chinesischen Schule stammen. Auch in diesem Fall wurde und wird eine Bedeutung für die Zahl 108 gesucht. Mal sollen 108 Meister an der Entwicklung der Suparimpei beteiligt gewesen sein. Oder man vermutet, dass sie 108 verschiedene Techniken enthält, bis hin zu den 108 bösen Eigenschaften des Menschen. Je nach Version der Kata kommt man zudem auf insgesamt108 Bewegungen. Und nur wenige Kata, wie z. B. die alte Form der Hakutsuru, haben noch mehr Bewegungen. Suparimpei enthält sehr unterschiedliche Techniken. Einige sind sehr kompliziert in der Anwendung, andere erfordern einen starken Willen zum kompromißlosen Angriff. Oberflächlich betrachtet ist es nicht schwer den Ablauf der Kata zu lernen. Es ist jedoch äußerst schwierig die Techniken richtig auszuführen. Einige verlangen eine besondere Weichheit und Geschmeidigkeit der Hüfte, bei synchroner, jedoch kraftvoller Bewegung der Arme, wobei auch noch eine spezielle Atemtechnik hinzu kommt. Im Gegensatz zu schnellen, akrobatischen Kata wie Unsu, liegt die Schwierigkeit von Suparimpei im Detail und bleibt dem ungeübten Auge verborgen. Dabei sind die älteren Versionen der Kata noch um einiges schwieriger als die heutigen (begradigte) Versionen.
Einstufung Advanced
Bedeutung des Namens Drei Phasen Bewegungen: 48
Sanchin
Klassifizierung Shorei-Ryu
Stilrichtungen Goju-Ryu / Shito Ryu
Sanchin gilt als die bedeutendste Kata des Naha-te. Dabei geht es in Sanchin weniger um die kämpferischen Prinzipien als um das Potential der Kata für die körperliche Entwicklung des Übenden. Das tägliche Training von Sanchin kräftigt die Muskulatur und insbesondere die Fähigkeit zur isometrischen Anspannung sowohl einzelner Muskeln und Muskelgruppen bis hin zur kompletten Anspannung aller Muskeln, was jedoch äußerst schwierig ist und ein hohes Maß an Konzentration erfordert. Weiterhin stärkt Sanchin die Atmung, wobei man nicht nur eine spezielle Form der Ausatmung, unter Einsatz der Muskulatur im Bereich des Zwerchfells lernt, sondern auch die Fähigkeit mit Hilfe der Atmung die Muskelspannung zu kontrollieren und zu erhöhen um Trefferwirkungen zu kompensieren. Bei perfekter Beherrschung dieser Technik geschieht dies automatisch im Moment des Treffers. Es gilt die Regel das derjenige der Sanchin mehr als zweimal hintereinander ausführen kann, dies nicht mit dem für die Kata notwendigen vollen Einsatz tut. Aber genau dieser Einsatz ist notwendig um mit Sanchin erfolgreich zu trainieren. In früheren Zeiten und in einigen Schulen wie dem Uechi-Ryu wird die Kata auch heute noch zudem zur Abhärtung verwendet. Hierzu wird während der Ausführung der Kata mit einem Stock oder mit Faustschlägen auf Bauch, Rücken, Arme und Beine geschlagen. Sanchin ist weder eine vielseitige, elegante noch formschöne Kata. Sie ist eine kompromißlose Kraftkata und trotz ihrer Augenscheinlichen Einfachheit dauert es Jahre sie zu beherrschen. Geschichtlich wird eine Verwandtschaft zur Happoren vermutet. Allerdings enthält Happoren auch weiche Prinzipien und unterscheidet sich sehr von Sanchin. Bestenfalls könnte man vermuten das Sanchin eine Art Vorübung zur Happoren darstellt. Bewiesen ist dies nicht und man kann so auch glauben das Sanchin einfach nur da ist um Sanchin zu sein und den Körper zu stählen. Die ursprüngliche Version wird mit offenen Händen trainiert und enthält auch schnelle Bewegungen mit einer damit verbundenen sehr schwierigen Atemtechnik. Chojun Miyagi veränderte diese zu der heute geübten Version mit geschlossener Faust. Dabei ging es hier wahrscheinlich weniger um die geringere Gefährlichkeit von Techniken der geschlossenen Faust als wohl mehr darum das die Spannung der Muskulatur mittels der geschlossenen Faust wesentlich einfacher zu üben ist. Allerdings steht die von Miyagi verwendete Ibuki-Atmung im Verdacht schlecht für die Gesundheit zu sein. Zwar können Atemtechniken durchaus Auswirkungen auf die Herztätigkeit haben, aber inwieweit diese Atemtechnik Herzerkrankungen begünstigt (wie vermutet wird), ist weder untersucht noch bewiesen.
Einstufung Advanced
Bedeutung des Namens Drehende Hände Bewegungen: 44
Tensho
Klassifizierung Shorei-Ryu
Stilrichtungen Goju-Ryu / Shito Ryu
Diese Kata wurde von Chojun Miyagi, dem Begründer des Goju-Ryu entwickelt. Wahrscheinlich auf der Basis der Kata Rokkishu, die allerdings in keiner bekannten Schule offiziell unterrichtet wird. Die Art der Technik läßt eine Verwandtschaft zur Schule der Gottesanbeterin vermuten. Manche vermuten das Sanchin den harten Teil und Tensho den weichen Teil von Happoren interpretiert. Andere Theorien beziehen sich auf die Kata Hakufa als Grundlage für Tensho. Bekannter ist jedoch die Theorie das Chojun Miyagi die Kata nach dem Studium und Vorbild der Kata Rokkishu entwickelte als eindeutige Übungsform des Ju, des weichen Teils seines Goju-Ryu, das er auf der Grundlage des Karate von Kanryo Higashionna (Shorei- Ryu, Naha) schuf. Und in der Tat ist es sehr schwierig die Kata Tensho mit der ihr eigenen und notwendigen Weichheit zu üben. Zu leicht verfällt man in das Konzept des Kime und der Spannung. Zu abwegig ist die Vorstellung mit einer weichen, lockeren, entspannten Bewegung Wirkung erzielen zu können. Jedenfalls ist Tensho das absolute Gegenteil zur Sanchin, obwohl die letzten vier Techniken beider Kata nahezu identisch sind. Aber gerade dies macht es schwierig Tensho bis zum Ende im Ju-Bereich zu üben. Im Gegensatz zur Sanchin ist die technische Anwendung von Tensho äußerst vielseitig. Verteidigung und Gegenangriff können jederzeit auf jeder Stufe erfolgen. Dabei sind sowohl die Block-/ als auch die Angriffstechniken sehr kurz und doch sehr schmerzhaft. Tensho wird, wie Sanchin, ausschließlich in Sanchin Dachi geübt wobei man drei Schritte nach vorne macht und vier Schritte zurück. Eine Wendung wie in Sanchin existiert nicht. Die wenigsten können sich der Eleganz dieser Kata entziehen. Sie wird gerne zu Beginn (als Aufwärmübung) und gegen Ende eines Trainings geübt. Und vielleicht ist gerade das Üben am Ende eines schweren Trainings, wo man keine Kraft mehr hat und es wirklich schwer fällt sich noch anzustrengen, der richtige Zeitpunkt für diese Kata die ohne Kraft, schnelle Bewegungen, Härte und Kime auskommt. Zudem ist sie wohl die einzige Kata in der kein Kiai vorgesehen ist. Ob nun Tensho maßgeblich von Happoren, Hakufa, oder Rokkishu beeinflußt ist, ist weniger von Bedeutung, letztlich könnte nur Chojun Miyagi selbst die Antwort geben welche Ideen ihn zur Entwicklung der Tensho bewegt haben.
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